Das Gebiet
Die Landschaft des Spreewaldes wird durchzogen von einem fein gegliederten Netz von Fließen, die als Lebensadern gelten. Entstanden sind sie vor über 10.000 Jahren, mit der letzten Eiszeit. Ruhig ziehen heute die Spreewaldkähne ihre Bahnen, die Libellen gaukeln über dem Wasser und mit etwas Glück lässt sich eine Ringelnatter beim Schwimmen beobachten. Durch das dichte Blätterdach funkelt die Sonne – der Spreewald scheint oft wie ein Zauberwald. Hier leben noch Arten, die andernorts bedroht oder bereits ausgestorben sind. So brüten Weißstörche mit über 80 Paaren in vielen Ortschaften. Kranich und Seeadler bevorzugen die ruhigen und feuchten Wälder. Sie finden ihre Nahrung in den fischreichen Gewässern und auf feuchten Wiesen. Und: Der Spreewald ist auch ein Lebensraum für Schmetterlinge. In den weiten Erlenbrüchen und Auenwäldern lassen sich – kaum zu glauben – 937 Schmetterlingsarten bestimmen. Viele von ihnen gibt es in Deutschland nur noch sehr selten, wie Schönbär oder Abendpfauenauge.
Gleichzeitig sind Traditionen, Lebens- und Arbeitsweisen noch heute eng mit der Landschaft verbunden, ein wichtiges Merkmal eines jeden Biosphärenreservates. Der Spreewald war seit Jahrhunderten von der Landwirtschaft geprägt, doch die kleinen Hofstellen sind unter heutigen Bedingungen oft unrentabel. Das Biosphärenreservat hat deswegen die Gründung einer Bürgerstiftung Kulturlandschaft Spreewald initiiert. Sie fördert die nachhaltige Entwicklung und Bewahrung der von Menschen geschaffenen Kultur- und Naturlandschaft des Spreewaldes indem sie Landwirte aktiv bei Landschaftspflegemaßnahmen oder dem Anbau traditioneller Kulturpflanzen wie dem Spreewälder Meerrettich unterstützt.
Darüber hinaus ist der Spreewald das Biosphärenreservat des ökologischen Landbaus – 70 % der Äcker und Wiesen werden nach den Bio-Richtlinien bewirtschaftet und so vor allem gesunde Milch und Rindfleisch produziert. Den Besucher*innen bietet der Spreewald mit seinen traditionellen Kähnen, aber auch per Kanu oder Fahrrad vielfältige Möglichkeiten, das Biosphärenreservat zu entdecken.
Naturschutz
Die Bedeutung des Biosphärenreservates Spreewald für den Naturschutz geht weit über die Grenzen Brandenburgs hinaus. In der naturnahen Kulturlandschaft mit ihren Fließen, Wäldern und Feuchtwiesen finden sich 18 europaweit geschützte FFH-Lebensraumtypen, z.B. Erlen- und Eschenwälder, Nass- und Feuchtwiesen oder die Unterwasservegetation von Fließgewässern. Sie bieten einer artenreichen Tier- und Pflanzenwelt Heimat, darunter z.B. der Rotbauchunke, der Grünen Mosaikjungfer, dem Eremit, sechs Fledermausarten, dem Weistorch und der Bekassine sowie Fischotter und Biber. Schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war der hohe Wert des Spreewaldes für den Naturschutz erkannt worden. 1939 erklärte man weitere Teile des Ober- und Unterspreewaldes zum Landschaftsschutzgebiet. Ein erstes Naturschutzgebiet, der „Kriegbusch“ im Unterspreewald, wurde 1938 ausgewiesen. Mit der Gründung des Biosphärenreservates im Jahr 1990 erhielt der Naturschutz im Spreewald schließlich einen ganz besonderen Stellenwert für den Erhalt von Lebensräumen und ökologischer Vielfalt, denn 10.308 ha (das sind 22% der Gesamtfläche) sind als Naturschutzgebiete ausgewiesen. Der gesamte Spreewald ist nach der europäischen NATURA-2000-Richtlinie als Vogelschutzgebiet anerkannt, 12.927 ha (27%) als FFH-Gebiet. Wichtige Naturschutzprojekte waren bzw. sind das vom Bund geförderte „Gewässerrandstreifenprojekt Spreewald“ zur Renaturierung von Fließgewässern und anderen Lebensräumen (Gesamtumfang 2004-2014 ca. 12 Mio. €), der Vertragsnaturschutz und das das Spreewaldwiesenprogramm mit Ausgleichzahlungen für Landwirte für Naturschutzmaßnahmen und die Mahd von Feuchtwiesen oder das DBU-Pilotprojekt „Borstenanlagen im Spreewald“, das durch Einbau von künstlichen Borstenelementen eine Verbesserung der Gewässerstrukturen erreicht hat sowie einen mit Borstenelementen versehenen Fisch-Kanu-Pass errichtete, um eine verbesserte Durchgängigkeit für Fische und Makrozoobenthos zu erreichen, gleichzeitig Was-serstände zu halten und die touristische Nutzung zu gewährleisten. Inzwischen wurden ähnliche Fisch-Kanu-Pässe mehrfach erfolgreich an anderer Stelle etabliert.
Aktiv vor Ort
Ein Tag vor Ort
Obstbäume und ein Mittagessen mit Leinöl
Vielfältige Spreewaldimpressionen bietet die Streusiedlung Burg im Oberspreewald. Diesseits der Alpen findet man keine andere derartige Ansammlung von Blockhäusern. Hier kann man das Typische des Spreewalds in wenigen Stunden erleben. Von besonderem Reiz ist dies im Frühling, wenn Obstbäume und Sumpfdotterblumen blühen. Vom Kahnhafen Waldschlösschen startet der Ausflug zu Wasser. Wie eine venezianische Gondel wird der Spreewaldkahn vom Fährmann gestakt. Nach gut zwei Stunden ist die Kannomühle erreicht. Ein Fußweg führt zurück in den Ortskern von Burg. Nach dem Mittagessen mit Quark und Leinöl kann der Kräutergarten „Kräuterey“ mit Hofladen der Lebenshilfe Werkstätten Hand in Hand besucht werden.
Eine Woche vor Ort
Einladung zum Spreewaldgurken-Test
- Montag: Auftakt mit einem Besuch auf dem Schlossberghof in Burg. Hier finden Sie die Kräuterey, den Kräutergarten sowie die Ausstellung des Biosphärenreservates Spreewald.
- Dienstag: Besuch im „Haus für Mensch und Natur“ in Lübbenau. Dann naturkundliche Fahrradtour in den inneren Oberspreewald mit den Spreewald-Rangern. Abschließend Bummel in der historischen Altstadt.
- Mittwoch: Spreewaldgurken-Test in der Konservenfabrik Rabe in Boblitz. Per Rad über Raddusch nach Leipe. Mittags Fisch in Spreewaldsoße. Später im Freilandmuseum Lehde dem Leben der Sorben / Wenden nachspüren.
- Donnerstag: Mit Paddelbooten die Fließe des Unterspreewaldes entdecken. Danach Baden im Köthener See.
- Freitag: Radeln rings um Straupitz. In die Holländermühle schauen!
- Samstag: Mit der Naturwacht auf dem Beobachtungsturm am Polder Kockrowsberg nach seltenen Wasservögeln Ausschau halten.
Barrierefrei besuchen
Natur in der Uhr – wie geht das? Die mitten einer Streuobstwiese angelegte Natur-Erlebnis-Uhr ist – genau nach den Himmelsrichtungen ausgerichtet – wirklich wie eine Uhr aufgebaut. Den 28-Meter-Durchmesser großen Uhrkreis betritt man bei 6 Uhr und somit von Norden. Auf 2 Meter breiten gepflasterten Wegen gelangen die Besucher zu den Vierteln der Uhr. Die Sinne Schmecken, Tasten, Hören, Riechen und zusätzlich Gleichgewicht kann man auch als Sehender, dann aber mit Simulationsbrille, testen. Dem jeweiligen Sinn zugeordnete Hochbeete, und Holzvitrinen enthalten heimische Pflanzen und Naturmaterialien zum Kosten, Fühlen und Riechen. Außergewöhnliche Attraktionen sind das Spechttelefon und die akustischen Orientierungshilfen in Form von bewegungsgesteuerten Kuckucksrufen beim Eintritt in ein neues Viertel. Taktile Aufmerksamkeitsfelder bei jeder vollen Stunde und Handreliefkarten mit Groß- und Brailleschrift sind weitere Hilfen für Blinde und Sehbehinderte. Der berollbare Pavillon und Bänke laden zum Verweilen ein. Von Mai bis September ist die Uhr jeden zweiten Dienstag von 9 bis 15 Uhr ohne Anmeldung erlebbar, andere Termine und Gruppen sind bitte 4 Wochen vorher anzumelden. Der Anbieter ist die Naturwacht Spreewald, erreichbar unter spreewald@naturwacht.de oder telefonisch unter 035603 750 146.
Anreise
Mit der Bahn: von Berlin oder Cottbus bis Lübben, Lübbenau, Raddusch oder Vetschau.
Mit dem Auto: A 13 bis Freiwalde, Lübbenau oder Vetschau.
Besuch- und Informationszentren
Tourismusverband Spreewald
Lindenstraße 1
OT Raddusch
03226 Vetschau/Spreewald
Telefon 035433 722 99
tourismus@spreewald.de
www.spreewald.de
Haus für Mensch und Natur
Informationszentrum und Biosphärenreservatsverwaltung
Schulstraße 9
03222 Lübbenau
Telefon 03542 892130
br-spreewald@lfu.brandenburg.de
Informationszentrum „Schlossberghof“
Schlossberghof Burg
Byhleguhrer Straße 17
03096 Burg