Schonstreifen bieten wichtige Rückzugsräume für Insekten und andere Tiere
© Martin Rudolph

Bewertung der ökologischen Wirksamkeit von Maßnahmen für Insekten

Langer Wiesen-Streifen mit zahlreichen bunten Blumen; links und rechts Ackerfkächen; Bäume im Hintergrund
Blühstreifen sind eine beliebte Maßnahme zum Schutz von Insekten © WWF Deutschland
Dieses Kapitel gibt Einblick in die Methodik und Ergebnisse einer vergleichenden semi-quantitativen Bewertung, wie wirksam Maßnahmen für Insekten sind. Die Erkenntnisse können eine wertvolle Entscheidungsgrundlage für Landwirt*innen und Kommunen nach ökologischen Kriterien bieten. Zum Inhalt springen:
  1. Betrachtete Maßnahmen
  2. Wozu eine ökologische Bewertung der Maßnahmen?
  3. Methodische Grundlagen und Einordnung der Daten
  4. Lebensraumansprüche von Insekten
  5. Zusammenführen von Lebensraumansprüchen der Zielarten und der Bereitstellung von Lebensraumeigenschaften durch Maßnahmen
  6. Ergebnisse der ökologischen Bewertung der Eignung von Insektenschutzmaßnahmen
  7. Weiterführende Informationen

1. Betrachtete Maßnahmen

Im BROMMI-Projekt wurde ein Maßnahmenkatalog entwickelt, der eine Vielzahl von Maßnahmen enthält, der sowohl weit verbreitete und seit langem in der Praxis umgesetzte Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen (AUKM) enthält, als auch selten umgesetzte oder wenig bekannte Maßnahmen mit nachgewiesener Naturschutzwirkung. Für die ökologische Bewertung wurden insgesamt 34 Maßnahmen betrachtet (siehe Tab. 4, 5 und 6 im Abschnitt 6 Ergebnisse der ökologischen Bewertung der Eignung von Insektenschutzmaßnahmen):
  • Ackerland: 12 Maßnahmen, z.B. Lichtacker, Blüh- und Ackerrandstreifen, Untersaaten, Brache etc.
  • Grünland: 9 Maßnahmen, z.B. Schonstreifen, Staffelmahd, Hochschnitt etc.
  • Sonderstrukturen: 13 Maßnahmen, z.B. Nistbiotope, Säume, Nistkästen, lineare und punktuelle Gehölzstrukturen etc.
Im BROMMI-Projekt wurde nur ein Teil dieser Maßnahmen umgesetzt, da nicht alle Maßnahmen in dem jeweiligen betrieblichen oder fördertechnischen Kontext praktikabel waren. Die in BROMMI umgesetzten Maßnahmen finden Sie im Kapitel Maßnahmen-Überblick.

2. Wozu eine ökologische Bewertung der Maßnahmen?

Haben sich Akteure aus der Landwirtschaft oder Kommunen entschlossen, Insektenschutzmaßnahmen umzusetzen, können sie aus einer Vielzahl von Maßnahmen auswählen. Für die Maßnahmenauswahl werden bisher vor allem ökonomische oder umsetzungspraktische Aspekte herangezogen. Vergleichbare Informationen zur ökologischen Wirksamkeit der einzelnen Maßnahmen fehlen bislang. Insekten haben grundsätzlich stark variierende Anforderungen an ihren Lebensraum hinsichtlich Nahrung, Überwinterung oder Vermehrung. Überdies wird die Eignung vieler Maßnahmen für Insekten zusätzlich vom Standort, der (jahres-)zeitlichen Entwicklung oder Dauer der Maßnahmen geprägt. Regional können darüber hinaus auch die im Fokus stehenden Insektengruppen variieren. Daher kann es sinnvoll sein, Maßnahmen hinsichtlich ihrer Insektenschutzwirkung für verschiedene Insektengruppen zu vergleichen. Dies kann eine wertvolle Entscheidungs- und Argumentationshilfe bei der Maßnahmenauswahl für Beratende und Betreuende der umsetzenden Betriebe sowie für Akteure aus der Landwirtschaft und Kommunen bieten.

3. Methodische Grundlagen und Einordnung der Daten

Schritt 1: Auswahl relevanter Insektengruppen   Betrachtet wurden Insektengruppen, die als Zielarten bei Maßnahmen zum Insektenschutz in Agrarlandschaften sowie in Kommunen relevant sind bzw. solche Ziel-Artengruppen, für die im BROMMI-Team ausreichend Expertise vorliegt. Im Ergebnis dieser Abstimmung wurden folgende 5 Artengruppen selektiert (s. Tab. 1).
Tab. 1: Betrachtete Insektengruppen
Schritt 2: Lebensraum-Anforderungen der relevanten Insektengruppen ermitteln Im zweiten Schritt wurden durch die BROMMI-Expert*innen wichtige Lebensraum-Anforderungen der ausgewählten Insektengruppen abgeleitet. Jede dieser 5 Artengruppen weist eine Vielzahl von Arten mit teilweise differenzierten Ansprüchen auf. Dies erfordert erwartungsgemäß eine starke Generalisierung und Aggregation der Bewertung. Die wichtigsten Anforderungen an Insektenlebensräume umfassen die Aspekte Nahrungsbereitstellung, Vermehrungseignung oder Eignung zur Überwinterung bzw. allgemein zur Deckung. Um diese Aspekte hinreichend differenziert je Artengruppe aufzuschlüsseln, wurden folgende 7 Parameter für die Darstellung der Lebensraum-Anforderungen herausgearbeitet (s. Tab. 2).
Tab. 2: Parameter der Lebensraum-Anforderungen der betrachteten Insektengruppen
Schritt 3: Bewertung der Maßnahmen als Lebensraum von Insekten Im dritten Schritt wurden die Maßnahmen dahin gehend analysiert, inwieweit die einzelnen Maßnahmen die für die betrachteten Insektengruppen geeigneten Lebensraum-Anforderungen bereitstellen. Bei den bewerteten Maßnahmen wird unterstellt, dass diese in der jeweils für Insekten bestmöglichen Ausführung umgesetzt werden. Die Maßnahmen sind somit konsequent an die Bedürfnisse von Insekten angepasst. Es wird nur dann eine Eignungsbewertung einer Maßnahme für die Förderung einer speziellen Artengruppe ausgewiesen, wenn die Maßnahme die Lebensraumeigenschaften fördert, welche die Insektengruppen benötigen.

4. Lebensraumansprüche von Insekten

Was benötigen die betrachteten Insektengruppen? Tabelle 3 zeigt auf, welche unterschiedlichen Anforderungen die fünf relevanten Insektengruppen an ihren Lebensraum haben. Je mehr grüne Zellen eine Insektengruppe hat, desto höher sind ihre Anforderungen an den Lebensraum. So zeigt sich beispielsweise, dass Wildbienen und Tagfalter im Mittel höhere Anforderungen an ihren Lebensraum stellen als etwa Schwebfliegen.
Tab. 3: Anforderungen der Insektengruppen an ihren Lebensraum (BROMMI-Expertenbewertung)

5. Zusammenführen von Lebensraumansprüchen der Zielarten und der Bereitstellung von Lebensraumeigenschaften durch Maßnahmen

Das Verschneiden der von den Maßnahmen bereitgestellten Lebensraumeigenschaften mit den Anforderungen der Insektengruppen an ihren Lebensraum (Tab. 3) erfolgte in einer Kreuztabelle und liefert die Maßnahmeneignung der Insektenschutzmaßnahme. Diese grundsätzliche Vorgehensweise ist in Abbildung 1 dargestellt. Weitere Details, wie die bereitgestellten Lebensraumangebote der Maßnahmen und methodische Grundlagen, können einer geplanten Publikation entnommen werden, die in der Zeitschrift Natur und Landschaft publiziert und nach Veröffentlichung hier eingestellt wird.
Abb. 1: Vorgehensweise zur Bewertung einer Insektenschutzmaßnahme basierend auf den Lebensraumanforderungen der Insekten und sowie der Lebensraumeignung der Insektenschutzmaßnahme
Quelle: eigene Darstellung ZALF 02/2026

6. Ergebnisse der ökologischen Bewertung der Eignung von Insektenschutzmaßnahmen

Aus der in Abschnitt 4 beschriebenen Kreuztabelle (s. auch Abb. 1) kann sowohl die Eignung einer Maßnahme für die Gesamtheit der betrachteten Insektengruppen als auch eine differenzierte Bewertung für einzelne Insektengruppen abgeleitet werden. Die Tabellen 4, 5 und 6 zeigen die Ergebnisse der ökologischen Bewertung von Insektenschutzmaßnahmen getrennt für Ackermaßnahmen, Grünlandmaßnahmen sowie Sondermaßnahmen auf. Die Zahlenwerte in den Tabellen geben die Summe der durch die Maßnahmen bedienten Lebensraumeignungen an. Diese Summen wurden in 4 Kategorien der Maßnahmeneignung klassifiziert. Die aggregierte Bewertung über alle betrachteten Insektengruppen zeigt die Spalte „alle Artengruppen“. Eine auf einzelne Artengruppen bezogene Bewertung ist den Spalten für die einzelnen Artengruppen zu entnehmen.
Tab. 4: Bewertung der Eignung von Maßnahmen auf Ackerflächen für 5 Insektengruppen
Als sehr geeignete Maßnahmen im Ackerbau können vor allem mehrjährige Maßnahmen wie Brachen, Insektenwälle sowie die weit verbreiteten Blühmaßnahmen identifiziert werden (dargestellt in dunkelgrün).
Tab. 5: Bewertung der Eignung von Maßnahmen im Grünland für 5 Insektengruppen
Im Grünland dagegen sind Maßnahmen wie stark extensiv genutzte Weiden und Schonstreifen auf extensiven Mähwiesen sehr gut geeignete Insektenschutzmaßnahmen.
Tab. 6: Bewertung der Eignung von Sondermaßnahmen für 5 Insektengruppen
Bei den Sondermaßnahmen wird vor allem mit Strukturelementen (Hecken, Kleingewässer, Gräben) eine hohe Wirksamkeit für den Insektenschutz erreicht. Aber auch für einzelne Insektengruppen kann aus diesen Tabellen abgeleitet werden, welche der Insektenschutzmaßnahmen einzelnen Zielartengruppen besonders nützen. So zeigt sich, dass beispielsweise Wildbienen besonders von Grünland- und Sondermaßnahmen profitieren, während für diese Artengruppe im Ackerbau blühende Maßnahmen (blühende Biomasse, mehrjährige Blühflächen, Insektenwälle etc.) sowie Brachen von besonderer Bedeutung sind. Die Tabellen 4 bis 6 zeigen die Möglichkeiten auf, besonders geeignete Maßnahmen für einzelne Insektengruppen aus einer Vielzahl von AUKM zu identifizieren. Während bei Acker- und Grünlandmaßnahmen eine deutliche Differenzierung erkennbar ist, sind bei den Sondermaßnahmen eine Vielzahl von Maßnahmen geeignet. Insgesamt können mit der vorgestellten Methodik die hier betrachteten Maßnahmen differenziert hinsichtlich ihrer Insektenschutzwirkung bewertet und gegenübergestellt werden.

7. Weiterführende Informationen

Natur und Landschaft (2022): Maßnahmenkatalog für den Insektenschutz in Brandenburg – Kriterien für die Bewertung von Einzelmaßnahmen, Ausgabe 6

Autor*innen:

  • Michael Glemnitz, ZALF
  • Holger Pfeffer, ZALF