© Schwäbisches Streuobstparadies e. V.
3. Januar 2021

Wer hat hier sein Nest gebaut?

Ein verwaistes Vogelnest zeugt von der Lebhaftigkeit der Streuobstwiese im Frühjahr und im Sommer. In den Astgabelungen finden Vögel geeignete Plätze für den Nestbau. Die mächtigen alten Obstbaumstämme geben dem Nest Halt, so dass es nicht herunterstürzen kann und Schutz vor Eindringlingen bietet, wenn im Sommer ein dichtes Blattwerk das Innere der Krone umschließt.

Wir lassen das Nest an Ort und Stelle, denn es kann sein, dass im Frühling ein neuer Bewohner einzieht. Manche standorttreuen Vogelarten nutzen Nester aus der vergangenen Brutsaison erneut und bessern sie nur hier und da etwas aus. Das Nistmaterial verrät viel über seinen Erbauer. Oft wird es mit Federn ausgepolstert, die sich der Brutvogel ausrupft. Anhand des wärmenden Dämmmaterials lassen sich Rückschlüsse auf die Art ziehen.

Das Nest auf unserer Projektfläche könnte vom Rotkopfwürger gebaut worden sein. Die Vogelart lebt gern auf Streuobstwiesen, da sie hier ausreichend Nahrung und Nistplätze findet. Von April bis August kann man den Vogel mit dem auffällig gemusterten Federkleid beobachten. Meist hält er von seiner Sitzwarte im hohen Astwerk der Obstbäume Ausschau nach Insekten, die er auf dem Boden erbeutet. Nur selten macht er Jagd auf größere Tiere, wie Eidechsen und Mäuse, wenn er nicht genügend Käfer, Spinnen, Heuschrecken und ähnliches findet. Er legt auch gern mal Vorräte an, indem er seine Beute auf die Spitzen Dornen von Hecken und Sträuchern aufspießt. Besonders wenn es sich um größere Beutetiere handelt, die er nicht gleich auf einmal verspeisen kann, ist dies eine bewährte Technik. Für den Beobachter mag das ein erschreckender Anblick sein.

Im April sucht das Rotwürgermännchen einen geeigneten Nistplatz aus. Das kann im dornigen Gebüsch sein oder, wie auf unserem Bild, in einer Astgabelung, gut geschützt durch das umliegende lichte Kronendach des Baumes. Seine Nester fertigt das Brutpaar gemeinsam aus Halmen, Rindenfasern und Pflanzenstängeln an. Die Nestmulde wird mit Federn und wolligen Blütenständen weich ausgepolstert. Fünf bis sechs Eier legt das Weibchen. Nach 18 Tagen schlüpfen die Jungen.

Der Rotkopfwürger ist vom Aussterben bedroht. In der intensiv genutzten und ausgeräumten Kulturlandschaft findet der Vogel kaum noch Nahrung und Nistplätze.

Streuobstwiesen mit hochstämmigen Obstbäumen, die nachhaltig bewirtschaftet werden, sind sein letzter Zufluchtsort geworden. Hier findet er geeignete Brutplätze und genug Insekten. Eine richtige Wiesenpflege ist daher sehr wichtig, um ein ausreichendes Nahrungsangebot zu sichern. Im Herbst macht sich der Zugvogel auf seine Reise in die Savanne Afrikas, wo er den Winter verbringt, bis er im Frühjahr zurückkehrt.

Wir sind gespannt, ob im Frühjahr ein neues Vogelpärchen in das Nest einzieht. Ab Mitte April geht die Brutsaison los und man hört den lebhaften Gesang des Streuobstwiesenbewohners.

Vogelnest im Obstbaum. / Foto: Schwäbisches Streuobstparadies e.V.

Titelbild: Streuobstwiese im Winter/ Foto: Schwäbisches Streuobstparadies e.V.

Weitere Beiträge

Im Vordergrund wachsen Pilze im Moos. Im Hintergrund sind unscharf drei Personen erkennbar, die durch einen grünen Wald laufen.
12. Mai 2026

Verbunden durch die Natur: Die Nationalen Naturlandschaften feiern am 24. Mai 2026 den Europäischen Tag der Parke

Am 24. Mai feiern wir europaweit den Europäischen Tag der Parke. Unter dem diesjährigen Motto „Connected by Nature“ (Verbunden durch die Natur) machen die Nationalen Naturlandschaften auf die Bedeutung intakter und vernetzter Lebensräume aufmerksam.
Eine Umweltpraktikantin mit verbundenen Augen wird von einer anderen Umweltpraktikantin durch den Wald geführt.
22. April 2026

Start ins Commerzbank-Umweltpraktikum: Traditionelle Einführungswoche im Nationalpark Bayerischer Wald

Über 60 Studierende aus Deutschland und der Schweiz absolvieren in diesem Jahr ihr Commerzbank-Umweltpraktikum in insgesamt 14 Nationalparken und acht Biosphärenreservaten. Auch im 36. Jahr des Projekts fand die Einführungswoche traditionsgemäß im Nationalpark Bayerischer Wald statt. Dort gab’s für die Freiwilligen einen wilden Rundumschlag in die Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit sowie vielfältige Naturschutzthemen.