Der Sortengarten am Spielberg in Hümpfershausen im Biosphärenreservat Rhön.
© LPV Rhön
28. Juli 2021

Seltene Wiesenpflanzen auf der Streuobstwiese in Hümpfershausen

Neulich besuchten Schülerinnen des Rhöngymnasiums unsere Streuobstwiese in Hümpfershausen, um die Pflanzen genauer unter die Lupe zu nehmen. Dabei entdeckten sie gleich drei interessante Arten. Der Zwiebel-Zahnwurz, die Echte Schlüsselblume und der Bachnelkenwurz haben sich auf der Projektfläche angesiedelt.

Der Zwiebel-Zahnwurz (Cardamine bulbifera) aus der Familie der Kreuzblütengewächse ist ein Frühblüher und blüht von April bis Juni. Die ausdauernde Pflanze bevorzugt lockeren, kalkreichen Untergrund und kommt häufig auf den kalkreichen Böden in der Rhön vor, wächst aber auch in Buchenwäldern. Die Pflanze vermehrt sich durch Teilung ihres Rhizoms, eine unterirdisch wachsende Sprossachse, ihre Brutknospen werden aber auch durch Ameisen verbreitet.

Der Bachnelkenwurz (Geum rivale) fällt durch seine besondere Blütenform auf. Von April bis Juli stechen seine braun-rot nickenden Blütenkelche aus den restlichen Wiesenpflanzen hervor. Die Halbrosettenpflanze mag nasse Böden und wächst daher in der Nähe von Gewässern und Mooren, aber auch auf Feucht- und Nasswiesen. Sie vermehrt sich ebenso wie der Zwiebel-Zahnwurz vegetativ durch Rhizome. Ihre Klettfrüchte werden auch durch Weidetiere verbreitet. Bestäubt wird die krautige Pflanze durch Bienen und Schwebfliegen. Die Pflanze ist ein Anzeiger für nährstoffreiche Böden. Die Wurzeln enthalten das ätherische Öl Eugenol, welches dem Aroma der Nelke ähnelt, daher auch der Name Nelkenwurz. Die krautige Pflanze aus der Familie der Rosengewächse wurde früher als Gewürz anstelle der Nelke genutzt. Auch im Winter sind ihre Blätter grün und bescheren der Streuobstwiese ein paar frische Farbtupfer.

Beide Pflanzen finden als Heilkräuter Verwendung. Die ätherischen Öle in der Wurzel des Bachnelkenwurzes wirken antibakteriell und entzündungshemmend. Die Inhaltsstoffe des Zwiebel-Zahnwurzes wirken blutreinigend, harntreibend und schmerzstillend.

Die Echte Schlüsselblume (Primula veris) ist eine wichtige Futterpflanze für Schmetterlinge. Ihren Namen verdankt sie der Wuchsform ihres Blütenstandes, der an einen Schlüsselbund erinnert. Sie gehört zu den Primelgewächsen, weswegen die Pflanze auch als Wiesen-Primel bezeichnet wird. Die dottergelben Blüten verströmen zwischen April und Juni einen starken Duft, der bestäubende Insekten anzieht. Der Nektar im Inneren ihrer langen Blütenkelche ist nur für langrüsselige Insekten wie Hummeln und Falter erreichbar. Die Raupen des Schlüsselblumen-Würfelfalter ernähren sich insbesondere von den Blättern der Echten Schlüsselblume.

Auch diese Pflanze wächst auf lockeren, kalkhaltigen Böden. Sie ist charakteristisch für den mageren trockenen und halboffenen Standort auf der Streuobstwiese. Düngung verträgt sie gar nicht. Um zu gedeihen, benötigt die Echte Schlüsselblume viel Sonne. Damit sie nicht durch höhere Wiesenpflanzen oder Gehölze beschattet wird, ist eine regelmäßige Mahd wichtig. In Deutschland ist die wildwachsende Echte Schlüsselblume gefährdet und steht unter besonderem Schutz.

Zwiebel-Zahnwurz / © LPV Rhön

Schlüsselblumen und Bachnelkenwurz / © LPV Rhön

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Titelbild: Der Sortengarten am Spielberg bei Hümpfershausen im Biosphärenreservat Rhön

Weitere Beiträge

Im Vordergrund wachsen Pilze im Moos. Im Hintergrund sind unscharf drei Personen erkennbar, die durch einen grünen Wald laufen.
12. Mai 2026

Verbunden durch die Natur: Die Nationalen Naturlandschaften feiern am 24. Mai 2026 den Europäischen Tag der Parke

Am 24. Mai feiern wir europaweit den Europäischen Tag der Parke. Unter dem diesjährigen Motto „Connected by Nature“ (Verbunden durch die Natur) machen die Nationalen Naturlandschaften auf die Bedeutung intakter und vernetzter Lebensräume aufmerksam.
Eine Umweltpraktikantin mit verbundenen Augen wird von einer anderen Umweltpraktikantin durch den Wald geführt.
22. April 2026

Start ins Commerzbank-Umweltpraktikum: Traditionelle Einführungswoche im Nationalpark Bayerischer Wald

Über 60 Studierende aus Deutschland und der Schweiz absolvieren in diesem Jahr ihr Commerzbank-Umweltpraktikum in insgesamt 14 Nationalparken und acht Biosphärenreservaten. Auch im 36. Jahr des Projekts fand die Einführungswoche traditionsgemäß im Nationalpark Bayerischer Wald statt. Dort gab’s für die Freiwilligen einen wilden Rundumschlag in die Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit sowie vielfältige Naturschutzthemen.