Acker-Witwenblume / Foto: © Katja Arzt / Nationale Naturlandschaften e. V.
© Katja Arzt / Nationale Naturlandschaften e. V.
14. Juli 2021

Wechselbeziehungen auf der Streuobstwiese

Viele Arten stehen in enger Wechselbeziehung zueinander. Durch diese wechselseitige Abhängigkeit ist auch das Überleben der Arten miteinander verknüpft. Siedelt sich die eine an, kann auch die andere überleben. Solche Abhängigkeiten gibt es auf der Streuobstwiese in verschiedener Form.

Die Acker-Witwenblume (Knautia arvensis), auch Wiesen-Witwenblume genannt, ist eine charakteristische Art nährstoffreicher Böden. Hier und da kann man sie auf der Projektfläche entdecken. Sie blüht im zarten Lila von Juli bis August, wenn auch mit Unterbrechungen und ist eine ergiebige Nektarquelle für Insekten.

Im September reifen die Samen in den Fruchtständen der Pflanze heran. Die proteinreichen Anhängsel der Samen werden gern von Ameisen aufgesammelt und in ihr Nest getragen, um die Brut damit zu füttern. Ein nützlicher Nebeneffekt: Einige Samen werden von den Ameisen fallen gelassen, was zur Ausbreitung der Pflanze beiträgt.

Die Blüten der krautigen mehrjährigen Pflanze werden sehr gern von verschiedenen Schmetterlingsarten wie dem Schwalbenschwanz, dem Tagpfauenauge oder dem Widderchen besucht. Auch Bienen zehren gern vom Nektar der Acker-Witwenblume. Der lila Pollen verrät, wenn sie die Blüte besucht haben.

Ein Insekt, welches sich auf die Acker-Witwenblume spezialisiert hat, ist die Knautien-Sandbiene (Andrena hattorfiana). Diese solitär lebende Wildbiene legt ihre Nester im Erdboden an und ernährt sich ausschließlich von den Pollen der Acker-Witwenblume und der Tauben-Skabiose (Scabiosa columbaria). Der Hinterleib ist rot gefärbt, man erkennt die Biene gut an ihren „roten Hosen“. Sie sammelt den violett gefärbten Pollen der Acker-Witwenblume und trägt ihn zu den Larven ins Nest.

Diese Wildbienenart ist in seinem Bestand gefährdet, da seine Nahrungspflanze durch Düngung und zu häufiges Mähen immer mehr auf Reststandorte zurückgedrängt wird. Auch das Abräumen des geschnittenen Grases ist wichtig, damit die Pflanze nicht erdrückt wird und der Boden nicht zu viele Nährstoffe erhält.

Ein weiteres Insekt, welches die Acker-Witwenblume gern als Futterpflanze für seine Larven nutzt, ist der Skabiosenschwärmer (Hemaris tityus). Die tagaktiven Falter legen ihre Eier an die Blattunterseite der Pflanze. Dort schlüpfen die Raupen und fressen Löcher in die Blätter. Die Schmetterlingsart steht in Deutschland auf der Roten Liste und ist als „stark gefährdet“ eingestuft. Intensive Mahd und Flurbereinigung haben Falter ebenso wie die Acker-Witwenblume immer mehr zurückgedrängt. Der Erhalt natürlicher blütenreicher Wiesen durch angepasste Pflege ist für das Überleben des Schreckenschwärmers wichtig.

Bienen fliegen gern die Acker-Witwenblume an. / Foto: © Schwäbisches Streuobstparadies e. V.

 

Titelbild: Acker-Witwenblume / © Katja Arzt / Nationale Naturlandschaften e. V.

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