ZN-14
© LPV-Rhön
14. Juni 2019

Schonende Wiesenpflege durch angepasste Mahd

Bei der Pflege der Streuobstwiese gilt unsere Aufmerksamkeit nicht nur den Obstbäumen, sondern auch dem Unterwuchs.

Das Geheimnis der blühenden, artenreichen Wiesen ist die sogenannte „Streifenmahd“. Bei diesem Mähverfahren wird die Fläche nicht gleichmäßig gestutzt, sondern einige Streifen ausgespart, sogenannte „Altgrasstreifen“. Das hat den Vorteil, dass immer einige blühende Gräser und Wildblumen erhalten bleiben.

Oben am Berg, im Oberhang, wächst nährstoffarmer Kalkmagerrasen. Durch die abschüssige Hanglage ist der Bereich stark von Erosion betroffen. Regen und Schneeschmelze waschen den Boden aus und tragen die Nährstoffe in tiefere Hanglagen. Der mittlere Teil der Projektfläche, der Mittelhang, enthält daher schon deutlich mehr Nährstoffe. Im unteren Bereich der Fläche Richtung Bergfuß, im Unterhang, lagern sich die Nährstoffe ab. Durch die spezielle Mahd wird der Erosion Einhalt geboten, denn Altgrasbestände, die in parallel zum Hang verlaufenden Streifen stehen, halten das herabfließende Wasser durch Regen und Schneeschmelze auf und verlangsamen damit die Erosion.

Die angepasste Mahdtechnik führte in der Vergangenheit zu einer artenreichen Magerwiese im Mittel- und Oberhang mit vielen blühenden Gräsern und Stauden. Im Unterhangbereich fördern wir die biologische Vielfalt der Wiese durch zeitversetztes Mähen. Dadurch werden einige Arten zwar geschädigt, andere wiederum gefördert. Mahdmanagement bedeutet eben gleichzeitig auch Artenmanagement.

Die Wiesenpflege ist Erfahrungssache. Die Entscheidung wie tief oder hoch geschnitten wird trifft der Bewirtschafter unmittelbar vor der Mahd. Eine Weile liegt das Mahdgut auf der Wiese, um zu trocknen. Wann das abgemähte Gras nach dem Trocknen von der Fläche aufgenommen und aufbereitet wird ist Erfahrungssache und hängt vom Fortschritt des Mulchens ab. Optimal sind zwei bis drei Tage.

Der nährstoffreichere Grasschnitt vom Unterhang wird an den Obstbäumen des Mittel- und Oberhanges angehäuft. Der Effekt: Die offenen Flächen werden ausgemagert, so dass eine artenreiche Blumenwiese entsteht und die Nährstoffe aus dem Mahdgut kommen den Obstbäumen zugute. Flächen, die im Jahr zeitig gemäht wurden, lassen wir im Herbst bzw. Winter stehen. Diese bieten dann Nahrung und Überwinterungsplatz unter anderem für Vögel und Insekten.

Auch am Rand der Fläche lassen wir Blühstreifen stehen. Ein reich gedeckter Tisch für Insekten, von Frühling bis Herbst finden sie in den blühenden Rand- und Altgrasstreifen immer eine Nektarquelle.

Titelbild: © LPV Rhön

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